Was ist der Palazzo Nuovo
Wenn Sie von der Cordonata auf den Palazzo Senatorio blicken, ist der Palazzo Nuovo das Gebäude links. «Nuovo» — neu — ist relativ: Er wurde 1663 nach Michelangelos Entwurf vollendet, als spiegelbildlicher Zwilling des gegenüberliegenden Palazzo dei Conservatori. Seit 1734 — dem Jahr, in dem Papst Clemens XII. die Kapitolinischen Museen für das Publikum öffnete — ist er das Zuhause der antiken Skulptur des Museums.
Einen eigenen Eingang hat er nicht: Sie betreten das Museum durch den Palazzo dei Conservatori, durchqueren die Galleria Lapidaria unter der Piazza, steigen zum Tabularium hinauf für den Blick aufs Forum und gelangen dann in den Palazzo Nuovo. Er ist in jedem Ticket der Kapitolinischen Museen enthalten, ohne Zuschlag.
| Eckdaten | Information |
|---|---|
| Wo | Piazza del Campidoglio, linke Seite (Norden) |
| Ticket | Im Eintritt der Kapitolinischen Museen enthalten (ab €15) |
| Empfohlene Zeit | 45–60 Minuten |
| Nicht verpassen | Sterbender Gallier, Kapitolinische Venus, Marforio, Kaisersaal, Taubenmosaik |
Die Meisterwerke, Etage für Etage
Hof: der Marforio
Gleich am Eingang beherrscht der Marforio den Brunnen im Hof, eine kolossale Flussgottheit aus dem 1.–2. Jahrhundert. Die Römer kennen ihn als eine der «sprechenden Statuen»: Jahrhundertelang heftete man an den Bronzekoloss anonyme Spottverse gegen die Mächtigen, im Zwiegespräch mit Pasquino.
Piano nobile: der Sterbende Gallier
Im Saal des Gladiators erwartet Sie das berühmteste Stück: der Sterbende Gallier, eine römische Marmorkopie einer hellenistischen Bronze aus Pergamon. Der verwundete keltische Krieger, festgehalten im Augenblick vor dem Tod, gehört zu den meistkopierten und meiststudierten Skulpturen überhaupt — Byron widmete ihm Verse im Childe Harold. Gehen Sie um ihn herum: Die Komposition wirkt von jeder Seite, eine Seltenheit bei antiken Skulpturen.
Das Kabinett der Venus
Die Kapitolinische Venus hat einen kleinen achteckigen Saal ganz für sich. Aus parischem Marmor gearbeitet, ist sie eine Variante der Knidischen Venus des Praxiteles, im 17. Jahrhundert fast unversehrt gefunden. Die Aufstellung ist kalkuliert: Sie begegnen ihr von hinten, wie beim Bad überrascht.
Kaisersaal und Philosophensaal
Siebenundsechzig Kaiserbüsten in chronologischer Reihenfolge: von Augustus bis zu den Severern, die Physiognomik der römischen Macht in einem einzigen Raum. Daneben der Philosophensaal mit den Porträts von Homer, Sokrates und Cicero. Es sind die beiden Lieblingssäle aller, die Geschichte mehr lieben als Kunst: Hier haben Sie die Gesichter der Protagonisten Ihrer Bücher einen halben Meter vor sich.
Der Große Saal und das Taubenmosaik
Im zentralen Salon stechen zwischen Säulen und Holzdecke die beiden Kentauren aus grauem Marmor aus der Villa Adriana hervor. Im Taubensaal stammt das namensgebende Mosaik — vier Tauben auf einer Bronzeschale — ebenfalls aus der Villa Adriana und ist von einer Feinheit, die wie Malerei wirkt: Steinchen von 3 Millimetern.

Praktische Tipps für den Besuch
- Reihenfolge: Der natürliche Rundgang (Conservatori → Untergeschoss → Palazzo Nuovo) hebt sich den Gallier als großes Finale auf. Wenig Zeit? Gehen Sie den Weg, den niemand geht: gleich nach der Öffnung direkt in den Palazzo Nuovo — und genießen Sie ihn leer.
- Licht: Die Säle des Piano nobile bekommen Tageslicht durch hohe Fenster; um die Mittagszeit wirken die Marmorskulpturen auf Fotos am besten.
- Mit Kindern: Der Kaisersaal funktioniert als Spiel («finde den Kaiser mit dem seltsamsten Bart»); der komplette Rundgang durch den Palast dauert 30 Minuten.
- Barrierefreiheit: Aufzug im Gebäude und stufenlose unterirdische Verbindung vom Palazzo dei Conservatori.
Ein Ticket, zwei Paläste
Palazzo Nuovo, Conservatori, Tabularium und Pinakothek: alles mit demselben Eintritt.
Was Sie im selben Besuch sehen
Der Palazzo Nuovo ist die Hälfte der Geschichte: Gegenüber bewahrt der Palazzo dei Conservatori die Kapitolinische Wölfin und den Mark Aurel, während der Flügel der Villa Caffarelli die Sonderausstellungen zeigt. Prüfen Sie die Öffnungszeiten und planen Sie mindestens einen halben Tag auf dem Hügel ein.
Häufige Fragen
Braucht der Palazzo Nuovo ein separates Ticket?
Nein: Er ist Teil des durchgehenden Rundgangs der Kapitolinischen Museen. Mit dem Eintrittsticket besuchen Sie Palazzo dei Conservatori, Galleria Lapidaria, Tabularium und Palazzo Nuovo.
Wo steht der Sterbende Gallier?
Im Saal des Gladiators, im Piano nobile des Palazzo Nuovo der Kapitolinischen Museen. Es ist eine römische Marmorkopie eines hellenistischen Bronzeoriginals aus Pergamon.
Wie viel Zeit braucht man für den Palazzo Nuovo?
45 Minuten bis eine Stunde für einen Besuch in Ruhe; eine halbe Stunde, wenn Sie nur auf die Meisterwerke zielen (Gallier, Venus, Kaisersaal, Marforio).
Warum heißt er Palazzo Nuovo?
Weil er der letzte der drei Paläste an der Piazza war, der gebaut wurde: 1663 vollendet, nach einem von Michelangelos Zeichnungen inspirierten Entwurf, um die Piazza symmetrisch abzuschließen.
Kann man den Palazzo Nuovo direkt von der Piazza betreten?
Nein, der Besuchereingang der Kapitolinischen Museen liegt am Palazzo dei Conservatori; in den Palazzo Nuovo gelangen Sie von innen, durch die unterirdische Galerie.